Siedler-Interessengemeinschaft Bergmannssiedlung
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Entstehung der Siedlung am Datteln-Hamm-Kanal

Quelle: ruhrnachrichten.de/Stadtarchiv Lünen

Noch bevor die Bergmannssiedlung am Kanal geplant war wurde der Kanal gebaut. Seine wichtigste Aufgabe bestand und besteht immer noch darin die Wasserversorgung des westdeutschen Kanalnetzes sicherzustellen. Am 17. Juli 1914 wurde dieses Großbauvorhaben feierlich eingeweiht und seinen Bestimmungen übergeben. Seitdem strömen in Hamm zu diesem Zweck fünfundzwanzig Kubikmeter Wasser pro Sekunde im freien Fall in das Kanalbett.

Sechs Jahre später begannen die ersten Bauarbeiten für die neue Bergmannssiedlung am Kanal.
Unter der Leitung des Architektenbüro Rudolf Winzer aus Dortmund sollten innerhalb zwei Jahren 705 Wohnungseinheiten beidseitig des Kanals gebaut werden. Viele öffentliche Einrichtungen, wie Kaufhaus, Schule, Kindergarten, Gemeinschaftshaus und vieles mehr sollten ebenfalls hier ihren Platz finden.
Realisiert wurde nur ein knappes Drittel.
Die unsicheren Zeiten und die Inflation waren vielleicht verantwortlich dafür, das der Rest nicht gebaut wurde. Dennoch stellt sich die Siedlung, wie sie schließlich entstanden ist und in der bis auf den Kinderspielplatz keine öffentliche Einrichtung gebaut wurde, als baulich geschlossene Anlage dar. Sie war eine der ersten, die durch die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbezirk errichtet wurde. Diese 1920 gegründete Institution erstellte Wohnungen für Bergleute mit staatlichen Zuschüssen. Sie war gegründet worden mit dem Ziel, die faktische Kopplung von Arbeits- und Wohnverhältnissen aufzuheben und damit die Arbeiter unabhängig von den Einzelunternehmen zu machen. Die Siedlung ist eine Zentralsiedlung, das heißt in ihr wohnen Bergleute aller Schachtanlagen der Umgebung. Das Besondere dieser Siedlung im Vergleich zu vielen anderen ist, daß bereits bei Baubeginn 32 Häuser als Eigenheime verkauft wurden. Dennoch, Eigentümer und Mieter waren Bergleute.
Die Siedlungskarte zeigt auch die recht isolierte Lage der Siedlung. Sie lag an der Verbindungsstraße der beiden Ortsteile Lünen-Stadtmitte und Lünen-Süd. Die spärliche Bebauung im Nordosten und Süden fiel kaum ins Gewicht, und zwischen der Lüner Innenstadt im Norden und der Siedlung befand sich nur freies Feld. Mittlerweile hat die Siedlung eine citynahe Lage. Mit der Bebauung, die sich an die Siedlung herangeschoben hat, haben sich auch öffentliche und private Versorgungseinheiten angesiedelt. Man kann also feststellen, daß die Bewohner der Siedlung die wichtigsten Einrichtungen in der Nähe haben. Zur Siedlung gehören 189 Wohnungseinheiten, die überwiegend in Form 1 1/2 geschossiger Häuserzeilen errichtet sind. Jede Familie bewohnt eine eigene "Hausscheibe" mit separatem direkt am Haus gelegenen Hausgarten. Für die Bewohner haben die Häuser somit Eigenheimcharakter. Am Ende sind die Gärten durch einen Wirtschaftswegenetz verbunden. Das einheitliche äußere Bild ergibt sich auch durch die gleichförmig gebauten Häuser. Von jeder Wohnung führen Treppenstufen zum Eingang hoch. Ein kleiner Vorgarten dient heute meist als Einstellplatz für das Auto.