Siedler-Interessengemeinschaft Bergmannssiedlung "Am Kanal" e.V.

Siedlung sollte weichen

Einige Jahre später plante die damalige Siedlungsgesellschaft die Siedlung in ihrer bisherigen Form weichen zu lassen und statt dessen sollten Mehrfamilienhäuser errichtet werden.

Die Stunde der Siedler-Interessengemeinschaft

Angefangen hat alles in der Woche um den 10.März 1975 als eine Vermessungsfirma mit verschiedenen Vermessungen begann. Nach Anfragen einiger Bewohner an den Bauführer, wofür die Vermessungen seien, sagte dieser, daß man Neubauten errichten wolle. Empörung kam auf. Nun kam die Stunde der Wahrheit. Karl Walter, Mitglied der SPD und Bewohner der Siedlung, informierte sofort den Ratsherren Erich Notka (SPD). Zufällig war am Sonntag Jahreshauptversammlung der IGBE-Ortsgruppe-Stadtmitte im Lokal "Südstern". Es herrschte Empörung über die Pläne der Siedlungsgesellschaft, drei Neubauten in den Gärten der Bergmannssiedlung durch die Treuhandgesellschaft, die Eigentümerin der Häuser, zu errichten. Kurzfristig wurde eine Bürgerversammlung einberufen, die gegen diese Absichten vorgehen wollte. [Siehe Originalaufruf auf der ersten Seite] Es wurden alle Bewohner der Siedlung mit Handzetteln und Schildern zur ersten Bürgerversammlung am Mittwoch 19.März 1975 um 19.00 Uhr im Lokal zum "Südstern" aufgerufen.
Das Lokal platzte fast aus allen Nähten. Über 100 Versammlungsteilnehmer kamen. Selbst von der Stadt Lünen kamen an diesem Abend Oberbürgermeister Hans-Werner Harzer, sowie der Leiter des Planungsamtes, Jürgen Fricke. Der zuständige Ratsherr, Erich Notka betätigte sich als Diskussionsleiter. Seine Aufgabe war nicht leicht, denn die Gemüter waren in Wallung.
Empörung herrschte zunächst einmal wegen der geplanten Bauvorhaben selbst. Darüber hinaus zeigten sich die Mieter verärgert, daß sie von der Treuhandgesellschaft nicht vorher über deren Absichten informiert worden waren. "Die Siedlungshäuser mit ihren Gärten sind menschenwürdiger als Neubauten" erklärten die anwesenden Mieter, die deutlich zum Ausdruck brachten, daß sie sich speziell in ihren Gärten sehr wohl fühlen und auf diesen Genuß zukünftig keinesfalls verzichten möchten.
Oberbürgermeister Hans-Werner Harzer stimmte den Mietern in ihrer Verärgerung zu und versuchte sie zu beruhigen. Allen Beteiligten war klar, daß in diesem Stadium ein Gespräch mit dem Vorstand der Treuhandgesellschaft dringend erforderlich ist. Sie wählten deshalb einstimmig aus ihren Reihen: Anneliese Wolkener, Egon Steffenberg, Friedhelm Maiworm, Karl Gustav Walter und Herbert Loch, die gemeinsam mit dem Oberbürgermeister Harzer ein Gespräch mit dem Vorstand der Treuhandgesellschaft führen und anschließend alle Mieter über den Ausgang des Gespräches informieren sollten. Man machte sich auf und besuchte zunächst den Beigeordneten Deubel, der die Bauabsichten der Treuhandgesellschaft auf den Tisch legte.

Die Pläne der Treuhandgesellschaft im einzelnen:

Geplant sind zwei zweigeschossige Wohnblocks, sowie ein dreigeschossiger Wohnblock.
So erläuterte Dezernent Deubel anhand der Pläne den chronologischen Ablauf der Planungsvorstellungen, die die Treuhandgesellschaft innerhalb der vergangenen zehn Jahre entwickelt hat: Nach dem ersten Antrag aus dem Jahre 1965 sollten in den Gärten der Bergmannssiedlung drei- bis viergeschossige Mietshäuser entstehen. Der Planungsausschuß sagte damals NEIN. Anfang 1966 ging bei der Stadt Lünen ein weiterer Antrag ein. Danach sollte die gesamte Siedlung "wegradiert" werden. Statt dessen waren zwei- bis dreigeschossige Wohnblocks vorgesehen. Auch dieser Plan fand damals keine Zustimmung. Der dritte Antrag schließlich kam nach neunjähriger Pause im Februar 1975. Worauf sich die Bürgerinitiative gegründet hat.
Am 10.April 1975 fand die erste Ortsbesichtigung durch den Bauausschuss statt. Die Abgeordneten traten in die Diskussion um die geplanten Neubauten in den Gärten der Bergmannssiedlung am Kanal. Anschließend fuhren die fünf Beauftragten der Bürgerinitiative zu Gesprächen zur Treuhandgesellschaft nach Essen.