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24. November 1978 - Der langgehegte Wunsch nach einem eigenen Bürgerhaus wird für die Mitglieder der Siedler-Interessengemeinschaft jetzt Wirklichkeit. Eine Wohnung im Haus Bebelstraße 84a kann für diesen Zweck genutzt werden. Die Mitgliederversammlung stimmte diesem Plan des Vorstandes zu. Zunächst soll das Haus aber nur für ein Jahr gemietet werden. Verläuft das Vorhaben erfolgreich, steht einer Weiterführung nichts im Wege. Das Haus soll als "Treffpunkt" für Jung und Alt genutzt werden.
Das Haus liegt günstig. Es ist sowohl von der Hauptstraße als auch vom Wirtschaftsweg leicht zu erreichen. Es kann von Mitgliedern einschließlich Jugendlichen genutzt werden. Außerdem bietet es genügend Platz für die vereinseigenen Geräte.
Seit dem 1. Januar 1979 genau haben die "Negerdörfler" über 680 Stunden Freizeit in ihr Bürgerhaus investiert, um das Gebäude, das sie von der Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten in Essen gemietet haben in Schuß zu bringen. Nach mühevoller Kleinarbeit mit Isolieren, Tapezieren, Rohrverlegen und Anstreichen ist es nun endlich soweit. Ein gemütlicher Vereinsraum, ein Wohnzimmer mit Spielkammer und Bücherei, eine Küche, Keller, Garten, Werkabteilung, Garderobe und was sonst noch alles zu einem Komplett eingerichtetem Haus gehört, warteten auf die Besucher. So wurde es seinerzeit das erste Bürgerhaus im Ruhrgebiet.
Am Freitag, 16. Februar 1979 um Punkt 15.30 Uhr wurde das Bürgerhaus an der Bebelstraße feierlich eingeweiht. Viele Ehrengäste waren gekommen um dieses Ereignis mitzuerleben. Unter ihnen Herbert Eppen, der den Oberbürgermeister Harzer vertrat, der sich wegen einer Grippeerkrankung entschuldigen mußte. Der SPD - Landtagsabgeordneter Kurt Denkert sah sich genauso um wie auch der CDU Kreistagsabgeordneter Joachim Schulze-Gahmen. Die Sozialabteilung der Zeche Gneisenau, die den Wunsch der Siedler nach einem Bürgerhaus tatkräftig unterstützten, war durch Gerhard Püschel vertreten. Zu den Gratulanten gehörte auch der Städteplaner Professor Doktor Roland Günter, der mit Vertretern der ältesten Arbeitersiedlung "Eisenheim" aus Oberhausen angereist war. Prof. Dr. Roland Günter war 1975 einer der ersten Mitstreiter im Kampf um den Erhalt der Bergmannssiedlung am Kanal. Auch der WDR (Westdeutsche Rundfunk) war vertreten und zeichnete die Geschehnisse auf Band auf. Diesen Bericht konnte man am nächsten Tag auf WDR 1 in "Echo West" hören.
Gleich am kommenden Montag sollte das Programm im Bürgerhaus beginnen: Montags der Malkursus, dienstags Seniorengymnastik und Unterhaltung, mittwochs Kinderhort, Handarbeit und Frauentreff, donnerstags Schulaufgabenhilfe und freitags : "Treffpunkt Bürgerhaus" für alle.
Gleich nach dem ersten Treffen der jungen "Neger" beschlossen sie ein eigenes Programm auf die Beine zu stellen. So kam der Wunsch nach Fußballspielen, Mineraliensuche, Fotografieren, Malen und Ausflüge unternehmen hoch. Von seiten der Eltern gab es keine Einwände, wenn der Geldbeutel nicht allzu stark beansprucht wird.
schrieben die Ruhr-Nachrichten in ihrer Ausgabe am 14. Februar 1980. Das Bürgerhaus hat sein Probejahr mit Auszeichnung überstanden. In den letzten zehn Monaten besuchten über 4500 Menschen die verschiedenen Kurse, Gruppen und Sonderveranstaltungen im Bürgerhaus. Besonders gefragt waren die Malkurse für Kinder und die Handarbeits-Nachmittage für Frauen. Aber auch die Seniorengymnastik kam sehr gut an. Am meisten füllte sich das Bürgerhaus aber am Freitag beim "Treffpunkt Bürgerhaus". Karl Walter faßte auf der Jahreshauptversammlung 1980 zusammen: "Wir Siedler - ob jung oder alt - hatten soviel Spaß im ersten Jahr, daß wir mit unserer Arbeit im Bürgerhaus fortfahren werden." 16 Jahre besteht in diesem Jahr (1995) das Bürgerhaus. Im laufe der 16 Jahre wurde umgebaut, angebaut und ständig renoviert. "Alles vom feinsten". Nach wie vor gibt es immer gute Geister im Bürgerhaus, die für den guten Zustand und alles was dazugehört jederzeit vor Ort sind. Das Haus steht offen, auch für andere Gruppen und Vereine. Es wird rege Gebrauch davon gemacht. Sieht man ins Gästebuch, könnte man ein eigenes Buch über das Leben und Treiben, der vielen Veranstaltungen schreiben. Das Bürgerhaus heißt nicht nur Bürgerhaus, es ist auch ein Bürgerhaus ! Der Erfolg des Bürgerhauses ist um so höher zu bewerten, als das die Siedler diese Einrichtung aus eigenem Antrieb, eigener Kraft und mit eigenem Geld geschafft haben. Jetzt wird es eigentlich Zeit, daß die öffentliche Hand auch einmal für das Bürgerhaus einen Zuschuß locker machen könnte oder wenigstens die monatliche Miete zu übernehmen.
Von dieser Idee ergriffen meldete sich für den 18. April 1979 ein WDR-Team an und drehte einen Film im Bürgerhaus. Dieser wurde dann abends in der Nachrichtensendung "Journal 3" des WDR gesendet.